Blog

Mein Kind ist unschlagbar – was hilft, auch unter Stress in Balance zu bleiben

Die Umfrage von Antenne Bayern - "Ist ein Klaps okay?" ist völlig indiskutabel - darüber müssen wir nicht streiten. Und doch habe ich schon mit den wundervollsten, achtsamsten Eltern gesprochen, die mir sagen:

„Ich bin gar nicht so! Aber wenn die Kinder dies oder jenes tun, verliere ich völlig die Beherrschung!“ Wir wollen freundlich, gewaltfrei und liebevoll sein, aber wie erreichen wir das?

Ich habe ein paar Ideen zusammen getragen, die den Eltern, mit denen ich arbeite, wirklich geholfen haben.

 

So geht’s:

Der erste Schritt besteht für mich darin, Verantwortung zu übernehmen und uns selbst zu vergeben. Jeder tut mir seinen aktuellen Ressourcen das, was er gerade tun kann. Es hilft uns, das anzuerkennen.

Der zweite Schritt besteht darin, dass wir uns klar machen: Wir sind gute Eltern. Wir lieben unsere Kinder. Sie lieben uns. Es gibt nichts, was wir nicht mit Liebe heilen können – auch bei uns selbst.

Im nächsten Schritt sollten wir Achtsamkeitstraining zur absoluten Priorität für ein paar Monate machen. Nicht für ewig, wir wollen ja nicht ins Kloster. Aber wenn wir jetzt etwas tun wollen, sollten wir es richtig machen. Für uns. Und unsere Kinder. Es wird unser ganzes Leben verändern. 

Als wir vor einigen Jahren eine sehr, sehr stressige Zeit hatten mit vielen privaten Veränderungen, war ich definitiv an meinem persönlichen Limit. Folgender, einfacher, praktischer, im Alltag machbarer Weg hat mir geholfen, in Balance zu bleiben (diese ist kein ärztlicher Ratschlag, sondern ein Erfahrungsbericht):

 Mein 7- Minuten Weg zu mehr Ruhe:

  1. Ich stellte mir das Handy und fing an, morgens und Abends 7 Minuten zu atmen, meinen Körper wahr zu nehmen, meinen Zustand wahr zu nehmen, 10 Atemzüge zu zählen. So lernte mein Gehrin, sich unbewusste körperliche Prozesse bewusst zu machen. Ganz simpel. Plötzlich spüren wir Zustände, die wir immer ignoriert hatten. Das Gehirn lernt – und schon bald informiert es uns von ganz alleine, wenn wir außer Balance geraten.
  2. Ich musste die in meinen Kursen beschriebene Ampel-Übung konsequent in meinen Tag einbauen: Immer wieder in ruhigen Momenten am Tag mich selbst fragen: bin ich noch im grünen Bereich oder schon gelb oder gar im roten Bereich? Das klappt besonders gut, wenn wir dazu einen Anker setzen: An jeder Ampel oder immer wenn wir einen Vogel hören oder immer auf Klo fragen wir uns das. Dann wird es zur Routine. Kostet nix. Super einfach. Gold wert.
  3. Ich lernte, in Momenten, in denen ich in den roten Bereich zu rutschen drohte, nichts zu machen. Nicht reden. Nicht bewegen. Buchstäblich hinsetzen und nichts tun. Atmen. Das ging aber nur, wenn ich noch nicht „drüber“ war. Je früher ich es tat, desto seltener kam ich überhaupt in den roten Bereich.
  4. Ich musste dran bleiben. Es machen. Das ist wichtig. Wichtiger als alles andere.

Nach einigen Wochen mal mehr mal weniger (zwei kleine Kinder!) konsequenten Trainings habe ich gespürt – wow, es wirkt! Obwohl ich gar nicht so diszipliniert war, es fühlte sich an, als hätte mein Gehirn nur auf diese kleinen Aufmerksamkeiten gewartet, um wieder in Balance zu kommen.

 

Bücher zum Weiterlesen:

Daniel Siegel, Das achtsame Gehirn – hier habe ich gelernt, wie schon kleine Achtsamkeitsübungen die Struktur im Gehirn verändern und dass man eine „glückliche Kinderheit“ quasi nachbauen kann, wenn man regelmäßig in den „Seins-Modus“ geht

Daniel Siegel, Achtsame Kommunikation mit Kindern – sehr gute Übungen und gute Ideen, wie man dem Körper beibringt, einen Stressmoment zu beenden

Lienhard Valentin, Achtsame Eltern, glückliche Kinder – diesem Buch liegt eine CD bei mit Meditationen, hübsch kurz für gestresste Eltern, die ich wochenlang einmal am Tag (7 Minuten!) gemacht habe und die unglaublich viel verändern, auch sonst im Alltag

Weitere Ideen für entspanntes Familienleben haben wir in Slow Family  (Nicola Schmidt, Julia Dibbern, Slow Family, Beltz Verlag) und im artgerecht-Kleinkinderbuch (Nicola Schmidt, artgerecht – das andere Kleinkinderbuch, Kösel Verlag) für Eltern zusammengetragen.