Blog

Digitale Welt und kleine Kinder - wie das bei uns gut zusammen geht

Meine Kinder spielen am Tablet. Meine Kinder schauen YouTube. Meine Kinder spielen am Handy. Und zwar nicht erst seit gestern (sie sind ja jetzt 7 und 10).

Wald und Tablet - wie das zusammen gehört

Ich habe anfangs das Problem gehabt, dass meine Kids erstens nach Filmegucken total aufgedreht waren und sich gestritten haben. Und dass sie nicht aufhören konnten (auf YouTube gibt es ja immer noch einen kleinen Donald Duck Klassiker und nochmal Mascha und der Bär). Daher hatten wir früher, als sie kleiner waren, die Regel: Freitagnachmittags raus in den Wald. Immer. Und Samstag vormittags Bildschirmzeit, was immer wir lustig fanden, und danach Wald. Als sie eine Zeit lang danach nicht in den Wald zu kriegen waren, haben wir einfach gleich im Wald gespielt - wie nehmen das Tablet/Handy mit und spielen einfach erst, wenn wir auf dem Spielplatz sind und danach tobt es sich viel leichter. Wenn ich mich daran gehalten habe, war hinterher auch kein Streit. Wenn ich mich nicht dran gehalten habe...nun ja, ihr kennt das, man ist auch mal faul... dann hatte ich den Salat.

Wie Kinder - und Eltern - aufhören lernen

Meine Kinder mussten und müssen aufhören lernen. Ich auch. Aber ich kann es ziemlich gut. Ich war anfangs sauer, wenn sie keinen Schluss fanden - was genau gar nichts gebracht hat ;D. Heute lasse ich sie spielen und wir machen eine Zeit aus. Wenn sie die überschreiten, versuchen wir es nochmal. Wenn das nicht klappt, finden wir gemeinsam ein Ende. Hab ich von Benjamin Wockenfuß gelernt - das ist eine geniale Technik. "Wo könnte man aus dem Spiel aussteigen? Komm, wir suchen mal gemeinsam." Damit sie nicht nur lernen, wie man anfängt, sondern auch, wie man aufhört.

Wie Katja Reim Digital "Basteln" erklärt

Außerdem habe ich von Katja Reim gelernt, dass es klug ist, nicht nur Entertainment zu bieten (was wir auch gut genießen können), sondern vor allem "digital zu basteln". Also Filme drehen, Fotos bearbeiten, Kalender erstellen etc. pp. Die Kinder finden das cool. Mir macht das Spass. Der Rechner und das Handy werden wieder zum Werkzeug, nicht zur Berieselungsmaschine.

Zeitfenster schaffen

Ich selbst habe gelernt, Zeitfenster für digitales zu schaffen. Auch für mich. Ich bin nicht immer "on" (wie ihr schon gemerkt habt). Mir sind Facebook-Freie Räume wichtig. Ich gehe beim Essen nicht ans Telefon. Ich bin nicht so wichtig, das sich immer erreichbar sein muss. Wenn meine Kinder dran sind, sind meine Kinder dran. Sie honorieren das damit, dass sie das spiegeln: Wenn wir dran sind, sind wir dran, beim Essen diskutieren wir nicht über Tablets, das ist völlig klar.

Was das Bedürfnis hinter dem Verhalten ist

Was mir noch wichtig ist: Herausfinden, was die Kinder wollen. Welches Bedürfnis steht hinter dem Tablet-Wunsch? Entspannung? Gemeinsames tun? Etwas kontrollieren? Wir haben dann auch schonmal ne Massage-Session gemacht oder ich war das Mario-Männchen und bin nach Anweisung meines Sohnes im Wald über Pfützen gehüpft ("Wald-Nintendo"), und wir hatten unglaublich viel Spass.

Was wir tun können, wenn wir keine Lust haben

Was, wenn ich keine Lust habe und Pettersson und Findus auf dem Rechner öde finde? Dann sollten wir ersten digitale Dinge finden, die wir auch cool finden. Suchen lohnt sich. Es gibt echt geile Sachen. Und zweitens sollten wir schauen, wie wir das digitale nutzen können für uns. Und drittens ist es schlicht etwas, das unsere Kinder interessiert. Es ist ein Teil ihrer Welt - das ist es wert, da mal einzutauchen, es sich erklären und zeigen zu lassen. Auch das schafft Verbindung, Bindung.

Danke an Benjamin Wockenfuß für das Webinar von Digikids und sein tolles Interview für das Artgerecht Kleinkinderbuch und Katja Reim für ihren Beitrag zum Buch!

Nacht-Gruss,
Eure Nicola Schmidt

("artgerecht - das andere Kleinkinderbuch" kommt im Mai 2018 - hier der Link für Vorbestellungen)